teddy sofa cushion in multiple colors arranged in a grid

Was ist eigentlich ein Davenport Sofa?

Alexander Morabbi Wulsch , Oct 24, 2026

Wenn deine Oma gesagt hat, du sollst dich aufs Kanapee setzen, meinte sie das Sofa. In den USA sagt die gleiche Generation Davenport. Und wenn dir ein britischer Antiquitätenhändler einen Davenport anbietet, meint er einen kleinen Schreibtisch.

Ein Wort, drei Wohnzimmer, zwei völlig verschiedene Möbelstücke.

Das Davenport Sofa

Strichzeichnung eines klassischen Davenport Sofas mit hoher, geknöpfter Rückenlehne, Rollarmlehnen und gedrechselten Holzfüßen

Ein Davenport ist ein großes, tiefes, komplett gepolstertes Sofa, meist mit hoher Rückenlehne und schweren Rollarmlehnen, und sehr oft zum Bett ausklappbar. Der Name war ursprünglich eine Marke, die A.H. Davenport Company aus Massachusetts, und rutschte dann ins amerikanische Alltagsenglisch als Sammelbegriff für jedes große Sofa, vor allem im Mittleren Westen und im Nordosten.

Wer also fragt, was der Unterschied zwischen Sofa und Davenport ist, bekommt heute die ehrliche Antwort: so gut wie keiner. Historisch war ein Davenport ein bestimmter Typ (groß, tief, ausklappbar, formell). Heute verrät das Wort vor allem, wann und wo jemand aufgewachsen ist.

Und die britische Variante: Ein Davenport Desk ist ein kompakter Sekretär mit schräger Klappe und Schubladen an einer Seite, gebaut für einen Kapitän namens Davenport im späten 18. Jahrhundert. Anderer Davenport, anderer Kontinent, keine Verwandtschaft. Falls du deswegen hier gelandet bist, darfst du mit gutem Gewissen aufhören zu lesen.

Der Aufbau eines Davenports, Teil für Teil

Ein klassischer Davenport besteht aus Teilen, die man wiedererkennt. Wenn du sie einmal kennst, datierst du ein Sofa quer durch den Raum. Hier ist jedes Element und was es verrät.

Die Rückenlehne (hoch und straff)

Strichzeichnung eines Davenport Sofas im Seitenprofil mit hoher, straff gepolsterter Rückenlehne

Die Rückenlehne ist hoch und straff, der Stoff also direkt über das Gestell gespannt, ohne lose Kissen. Sie behält ihre Form für immer und sorgt dafür, dass du aufrecht sitzt. Ob du willst oder nicht.

Die Armlehnen (gerollt oder eckig)

Breit, dick gepolstert, hoch angesetzt, oft nach außen gerollt wie eine Welle. Gerollte Armlehnen wirken älter und formeller. Eckige kamen später und sind eine Spur praktischer. In beiden Fällen gilt: Davenport-Armlehnen sind zum Anlehnen gebaut, nicht zum Draufliegen.

Das Gestell (massives Hartholz)

Strichzeichnung eines nackten Davenport Sofagestells aus Hartholz mit Dübel- und Zapfenverbindungen

Eiche, Ahorn oder Birke, verbunden mit Dübeln oder Zapfen.

Das Gestell ist auch der Teil, der darüber entscheidet, ob sich ein neuer Bezug lohnt.

Der Bezug (geknöpft und tief gesteppt)

Nahaufnahme als Strichzeichnung: tiefe Knopfheftung bildet ein Rautenmuster auf der Rückenlehne eines Davenport Sofas

Die Knöpfe ziehen den Stoff zu einem Rautenraster zusammen. Das hält Rosshaar und Baumwollfüllung an Ort und Stelle, statt dass sich alles zu einem traurigen Klumpen in einer Ecke sammelt. Mohair, Samt und schwerer Wollstoff waren Standard. Muster waren üblich, Zurückhaltung eher nicht.

Die Sitzfläche (Federkern unter festem Polster)

Schnittzeichnung einer Davenport Sofasitzfläche mit handgebundenen Sprungfedern auf Jutegurten

Handgebundene Sprungfedern sitzen auf Jutegurten, darüber kommt die Polsterung. Fest, federnd, stützend und absolut nicht zu vergleichen mit dem Einsink-Schaum, den du gewohnt bist. Die Sitztiefe ist nach heutigen Maßstäben knapp, oft um die 50 cm.

Die Füße (gedrechselt, geschnitzt oder gerollt)

Sichtbare Holzfüße, mal gedrechselt, mal als Klaue geschnitzt, mal auf Messingrollen, damit eine Person das ganze Trumm allein durch die gute Stube schieben konnte. Spätere Davenports versteckten die Füße hinter einer Stoffblende.

Der Mechanismus (bei den Klappmodellen)

Strichzeichnung eines klassischen Davenport Sofas, einmal aufrecht und einmal flach zum Bett ausgeklappt

Das ist der Partytrick des Davenports. Die Rückenlehne ist gelenkig und fällt flach nach hinten, oder die Sitzfläche wird nach vorn gezogen und die Lehne klappt darauf, fertig ist das Doppelbett. Keine Matratze im Bauch des Sofas versteckt, das Sofa sortiert sich einfach selbst zur Liegefläche um.

Woher der Name kommt: die Kurzfassung

Die A.H. Davenport Company eröffnete im späten 19. Jahrhundert in Boston und baute Möbel für Leute, die nicht nach dem Preis fragten. Aufträge fürs Weiße Haus, Arbeiten fürs Parlamentsgebäude in Massachusetts, Privatbibliotheken mit Leiter. Sie waren gut, sie waren teuer und sie schrieben ihren Namen auf ein bestimmtes übergroßes Sofa.

Dann passierte das Übliche.

Die Marke fraß die Kategorie. Kundinnen und Kunden verlangten nach "einem Davenport", so wie bei uns jedes Papiertaschentuch ein Tempo ist und jeder Klebefilm ein Tesa. Ab den 1910ern verkauften Kataloge in ganz Amerika Davenports von Firmen, die mit Boston nichts zu tun hatten.

Zum Haushaltswort wurde es durch die Klappvariante.

Die Stadtwohnungen wurden kleiner, das Gästezimmer verschwand und das Davenport-Bett kam genau dann, als ein Möbelstück gleichzeitig Wohnzimmer und Gästezimmer sein musste. Sears verschickte sie waggonweise, das Quelle seiner Zeit. Rund vierzig Jahre lang war es der nützlichste Gegenstand im Haus.

Dann kam das Wort in die Jahre.

Die Werbung der Nachkriegszeit bevorzugte "Sofa", der Klappmechanismus wurde vom ausziehbaren Bettsofa abgelöst, und "Davenport" blieb bei der Generation zurück, die damit aufgewachsen war. Ungefähr so, wie heute niemand unter vierzig mehr Kanapee sagt.

Davenport und die anderen Sofa-Wörter

Die meisten dieser Begriffe beschreiben dasselbe Ding mit unterschiedlichem Akzent. Hier steht, was sie ursprünglich meinten und was sie wirklich trennt.

  • Sofa (vom arabischen suffah, eine erhöhte Sitzplattform): der neutrale Standardbegriff. Komplett gepolstert, Armlehnen an beiden Enden, Platz für drei oder mehr.
  • Couch (vom französischen coucher, sich hinlegen): streng genommen etwas zum Liegen, historisch mit einer oder gar keiner Armlehne. In der Praxis einfach das lockerere Wort fürs Sofa.
  • Davenport: ein großes, tiefes, oft ausklappbares Sofa. Regionaler US-Sprachgebrauch, am stärksten im Mittleren Westen, heute vor allem eine Generationenfrage.
  • Kanapee (vom französischen canapé): kleiner, leichter, aufrechter, oft mit sichtbarem Holz und Platz für zwei. Gedacht für den Flur, nicht fürs Fernsehzimmer.
  • Chesterfield: der eine Typ, den man wirklich erkennt. Tiefe Knopfheftung, Armlehnen auf Höhe der Rückenlehne, meistens Leder. Kurios: In Kanada war "Chesterfield" lange das Allerweltswort für jedes Sofa, genau wie Davenport in Iowa.

Vor hundert Jahren waren die baulichen Unterschiede echt. Heute sind sie vor allem sprachlich. Ein Chesterfield erkennst du weiterhin an der Silhouette, der Rest ist Vokabular. Wenn du lieber Zentimeter vergleichst als Begriffe, hilft unser Guide zu Standardmaßen für Sofas mehr als jede Namensdebatte.

Der Davenport von heute

Das Versprechen des Davenports war simpel. Ein großes Teil, das den Raum trägt und sich in ein Bett verwandelt, wenn der Cousin unangekündigt vor der Tür steht. Das wollen wir immer noch. Was wir nicht wollen, ist ein 200-Kilo-Möbel mit fester Form, das den Grundriss für die nächsten Jahrzehnte diktiert.

Genau darum gibt es TEDDY.

Gleiches Versprechen, ohne Endgültigkeit. Jedes Modul funktioniert allein oder wird mit Metallverbindern ans nächste geklickt. Das Sofa passt sich an, statt dass sich der Raum dem Sofa anpasst.

TEDDY Sofa

Das Kernstück. Tiefe Sitzfläche, weicher Cord, groß genug, dass zwei Erwachsene darauf liegen können, ohne zu verhandeln. Es klappt flach zum Bett aus, also der Davenport-Trick, nur ohne Scharniergeräusche.

TEDDY Plus

Die breitere Version, für Räume mit genug Wand oder für Haushalte, in denen das Sofa ehrlich gesagt der Hauptsitzplatz der Wohnung ist.

TEDDY Corner Open und TEDDY Corner Closed

Die Eckmodule machen aus der geraden Reihe ein L-förmiges Ecksofa. Die offene Variante lässt eine Seite frei für eine Liegefläche, die geschlossene umschließt enger und wirkt geborgener. Noch zwei Module dazu und du hast einen Conversation Pit, also die beste Art, einen Wohnzimmerboden zu nutzen, die je erfunden wurde. Rückfragen nehmen wir nicht entgegen.

Der Stoff zählt genauso viel wie die Form. Cord hat denselben spürbaren Charakter wie Mohair und Samt auf alten Davenports, steckt den Alltag aber deutlich besser weg. Falls du noch abwägst: Unsere Übersicht zu Sofastoffen und Materialien erklärt, was welcher Stoff wirklich aushält.

Du hast einen alten Davenport geerbt: behalten oder neu beziehen?

Fang beim Gestell an, denn das Gestell entscheidet alles. Sind die Verbindungen fest und das Holz gesund, lohnt sich die Rettung. Knarzt und wackelt es, sobald du die Armlehne seitlich drückst, bezahlst du eine Polsterwerkstatt dafür, Brennholz zu retten.

Was du prüfen solltest

  • Verbindungen: schau unter die Blende. Dübel- oder Zapfenverbindungen mit hölzernen Eckklötzen sind ein gutes Zeichen. Klammern und Spanplatte heißen: spätere Nachbildung.
  • Federn: handgebundene Sprungfedern sollten sich über die ganze Sitzfläche gleichmäßig anfühlen. Tote Stellen und metallisches Klacken bedeuten gerissene Schnüre.
  • Gurte: Jutegurte hängen durch und reißen mit der Zeit. Ersatz ist günstig, aber sie verraten dir, wie viel Arbeit am Unterbau ansteht.
  • Label: echte A.H.-Davenport-Stücke tragen einen gestempelten oder eingebrannten Vermerk, oft am Rahmenholz unter der Sitzfläche oder auf der Rückseite. Die meisten "Davenports" hatten nie eins, weil die meisten nie von Davenport gebaut wurden.

Die Geldfrage

Ein großes Sofa komplett neu zu beziehen kostet meistens mehr als ein gutes neues, erst recht mit neuen Federn, Gurten und Schaum. Dafür sprechen trotzdem zwei Dinge: Erinnerung oder ein Gestell, das du heute schlicht nicht mehr kaufen kannst. Trifft keins davon zu, darfst du es ohne schlechtes Gewissen ziehen lassen. Dann aber bitte verschenken oder Sperrmüll anmelden, statt es einfach an den Straßenrand zu stellen.

Falls du neu beziehst: Cord ist eine freundliche Wahl für ein altes Gestell. Die gerippte Oberfläche fängt Licht ähnlich wie die Samte der Zeit, nur ohne deren Empfindlichkeit, und sie lebt sich viel leichter. Lies vorher, was Cord eigentlich ist, bevor du ein hundert Jahre altes Gestell damit verheiratest.

Ein Sofa wählen, das seinen Platz verdient

Das ursprüngliche Versprechen des Davenports gilt immer noch: ein Möbelstück, mehrere Aufgaben. Miss jedes Sofa an diesem Maßstab, dann wird die Entscheidung leichter.

Miss zuerst Sitztiefe und Wandlänge

Die Wandlänge sagt dir, was passt. Die Sitztiefe sagt dir, ob du es auch magst. Unter 55 cm sitzt du auf der Kante, über 65 cm baumeln kurze Beine. Miss auch Türen und Treppenhaus, denn der traurigste Teil des Sofakaufs spielt sich im Hausflur ab.

Sei ehrlich beim Thema Gästebett

Wie viele Nächte im Jahr schläft wirklich jemand in deinem Wohnzimmer? Ab vier lohnt sich eine Klappfunktion. Einmal zu Weihnachten, und eine Luftmatratze reicht völlig. Wenn du eine Liegefläche willst, prüf die Maße im ausgeklappten Zustand genauso wie im zusammengeklappten, so wie beim Vergleich von Maßen bei Schlafsofas.

Wähl eine Farbe, die den Raumwechsel überlebt

Deine Wandfarbe ändert sich. Dein Teppich auch. Das Sofa bleibt, also nimm einen Ton, der nicht von allem drumherum abhängt. Sand hält sich zurück und lässt andere Dinge reden, deshalb passen beige Cordsofas in fast jeden Raum. Oliv kommt mit warmen und kühlen Räumen klar, und grüne Cordsofas sind der leichteste Einstieg. Anthrazit verzeiht viel und verlangt nichts. Rosé ist das Risiko, das sich meistens auszahlt, weil es im Raum plötzlich wie ein Neutralton wirkt, besonders als rosa Ecksofa in L-Form.

Nimm modular, wenn ein Umzug wahrscheinlich ist

Ein fester Dreisitzer passt an genau eine Wand in genau einer Wohnung. Module werden zur geraden Reihe, zum L, zum Daybed oder zur Sitzlandschaft, je nachdem, welcher Grundriss dich als Nächstes erwartet. Diese Freiheit hatte der Davenport nie.

FAQ zum Davenport Sofa

Ist ein Davenport dasselbe wie ein Schlafsofa?

Oft, aber nicht immer.

Viele Davenports waren ausklappbar, daher kommt der Begriff "Davenport Bed", aber genauso viele waren einfache feste Sofas.

Ein modernes Schlafsofa versteckt meist ein Klappgestell mit Matratze im Inneren, während ein klassischer Davenport sich einfach selbst flach legte.

Warum nennen manche Leute jede Couch Davenport?

Weil aus dem Markennamen der Gattungsname wurde, genau wie bei Tempo, Zewa oder Thermoskanne. Am stärksten hielt sich das im amerikanischen Mittleren Westen und bei allen, die vor etwa 1960 aufgewachsen sind. Ein regionales und generationelles Wort, kein Fachbegriff.

Was unterscheidet Davenport Sofa und Davenport Desk?

Alles außer dem Namen.

Das Sofa ist amerikanisch und nach der Bostoner Firma A.H. Davenport benannt. Der Schreibtisch ist britisch, klein, mit schräger Schreibklappe und seitlichen Schubladen, benannt nach einem Captain Davenport, der ihn im späten 18. Jahrhundert bestellte. Zwei Davenports ohne Verbindung, zwei Möbel ohne Verbindung.

Sind Davenport Sofas wertvoll?

Dokumentierte A.H.-Davenport-Stücke mit Originallabel bringen bei Sammlern echtes Geld. Namenlose Davenports vom Anfang des 20. Jahrhunderts meistens nicht, weil es sehr viele davon gibt und das Neubeziehen mehr kostet als das Möbel. Der Wert steckt im Gestell und im Herstellerzeichen, nicht in der Form.

Was hat den Davenport abgelöst?

Erst das ausziehbare Bettsofa, dann die Sitzgarnitur mit Ottomane, dann das Modulsofa. Alle jagten dasselbe Ziel: ein großes Möbel für Sitzen, Rumliegen und den gelegentlichen Übernachtungsgast. Der Davenport hat die Frage gestellt, modulare Möbel beantworten sie nur besser.

Ist ein Davenport größer als ein normales Sofa?

In der Regel ja. Davenports waren meist breiter und tiefer als der durchschnittliche Dreisitzer ihrer Zeit und kamen oft über 200 cm Länge. Neben heutigen XL-Ecksofas wirkt ein Davenport allerdings fast bescheiden.